blogage.de > morrigan > Von China über Lhasa nach Tibet
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01.06.2010

Die Pilger

In jedem Tempel sind unzählige Pilger, die oft von weither kommen, um ihre Korba im Uhrzeigersinn um die Buddhastatuen zu gehen und Opfergaben zu bringen.

Manche dieser Pilger sind bis zu 3 Jahre unterwegs, um den Weg von Lhasa zum heilgen Berg Kailash zurückzulegen. Der Weg dauert so lang, weil sie folgendermaßen vorgehen: Zunächst faltet man die Hände wie zum Gebet, legt aber die Daumen leicht gebeugt nach innen, so dass sich eine Pagode bildet. Dann legt man die Hände an die Stirn (Geist), den Mund und das Herz und beugt sich dann nach vorne, um sich flach auf den Boden mit nach vorne ausgestreckten Händen hinzulegen und wieder aufzurichten.

So bewegt man sich fast wie eine Raupe langsam fort. Manche PIlger tragen Knieschoner und alle haben Schoner an den Händen, mit denen sie auf dem Boden nach vorne rutschen. Ziel ist es, in einem Leben 100.000 dieser Verbeugungen zu erreichen.

Diese Menschen sind eindeutig nicht reich, manche würde ich eher als bettelarm bezeichnen. Dennoch bringen sie in den Tempel Yak-Butter für die Yak-Butter-Lampen, Gerste und Kochöl als Opfergaben dar. Viele bringen auch Gaben (Kettchen, Kugelschreiber, Haarspangen, Waffen als Zeichen des Friedens, dass man sie nicht mehr nutzt) von ihren Verwandten und Freunden mit, die nicht in der Lage sind, mitzukommen.

In machen Holzsäulen in den Klöstern findet man Zähne von Pilgern die auf der Pilgerreise gestorben sind. Es ist Sitte, dass die Reisegefährten dann etwas vom Verstorbenen mitnehmen, um es im Kloster zu hinterlassen.

Auch von den Pilgern wird erwartet, dass sie zusätzlich noch Geldspenden entrichten. Und so geht ungefähr 60% des Bruttosozialprodukts des Landes in die Klöster. Einige von uns haben beobachtet, dass selbst bettelarme Mütterchen von dem Mönchen angeherrscht werden, wenn sie nur 10 Yuan spenden. 1 Yuan Scheine liegen einfach herum und werden mit der Kehrschaufel aufgekehrt.

Viele Klöster wurden in der Kulturrevolution 1968 zerstört, schon ab 1959 wurde die Lage Tibets unter der chinesischen Übermacht immer prekärer. Diese Klöster werden nun allmählich wieder aufgebaut.

Bei einem Kloster, das wir besichtigten, war gerade eine große Baustelle im Gange. Die Männer hievten zu dritt Baumstämme auf einen LKW. 2 Männer trugen 3 Zemteneimer, die an einer Holzstange baumelten, zur Baustelle. 2 Frauen hoben abwechselnd groben Sand mit der Schaufel hoch und warfen ihn durch ein großes, aufgestelltes Metallsieb, um so die Körnungen voneinander zu trennen. Alles in manueller Arbeit.

Ich finde, dass zumindest irgendwo in einer kleinen Ecke mein Name im Pflaster stehen müßte, denn wir Touristen finanzieren mit unserer Fotogebühr den Wiederaufbau der Klöster mit.

Ich kann auch nicht behaupten, dass ein Mönch irgendwie besonders freundlich zu mir gewesen wäre, selbst wenn ich ihn freundlich angelächelt habe.

Besonders krass war das letzte Kloster, das wir besucht haben - das Tashilunpo-Kloster in Shigatse. Es ist bekannt dafür, dass einige der Mönche mit der Besatzermacht der Chinesen unter einer Decke stecken sollen. Daher leben in diesem Kloster, das eigentlich eine kleine, ummauerte Stadt ist, nur 300 Mönche. Viele davon kennen sich gar nicht im Buddhismus aus. Sie machen Dienst nach Vorschrift, kassieren Geld, lümmeln faul und arrogant herum und schaben die von den Pilgern gespendete Yak-Buter für die Lampen wieder aus den Lampen heraus, um daraus Käse für sich herzustellen.

Der Fairness halber muss ich sagen, dass in den Klöstern auch Gerste für die Armen ausliegt und dass um die Klöster herum Bettler sind, denen die Pilger auch Geld spenden. D.h. das Geld bleibt vielleicht auch gut in Umlauf.

Angesichts dieser Erlebnisse muss ich meine Meinung über den Buddhismus revidieren oder man muss ihn zumindest differenzierter sehen. Denn hier scheint es mir, dass die Menschen eher in Angst davor leben, als Tier oder Ähnliches wiedergeboren zu werden. Die theokratische Struktur in Tibet und die Macht der Mönche scheint die Menschen in Armut zu halten, soweit ich dies beurteilen kann. Denn ich war ja nur kurze Zeit hier. Aber das Gebaren der Mönche und die Armut der Pilger sind hart anzusehen.

Es gibt also nach wie vor wohl einen starken indischen Einfluss wegen der Wiedergeburt. Andere buddhistische Richtungen, die ich kenne, betonen eher das Glück im Diesseits.

Obwohl ich noch viel mehr schreiben könnte, schließe erst einmal hier, da wir morgen nach Nanjing fliegen und früh aufstehen müssen.

01.06.2010

Die Klöster

In den letzten Tagen haben wir also verschiedenste Klöster an unterschiedlichen Orten besucht und hatten jeden Tag ein neues Hotel. Zudem hatten wir alle mit der Höhenkrankheit zu kämpfen, so dass man schon sagen kann, dass diese Tour zwar sehr schön, aber auch sehr hart war.

Ich nenne nur eine Auswahl der Klöster, die wir besucht haben bzw. der Städte, durch die wir gekommen sind:

Kloster Samye in Tsedang

Fahrt nach Gyantse mit Stopp am Yamdrok-See

In Gyantse Besuch des Palkhor Chöde Klosters und der Altstadt

Fahrt nach Shigatse und Besuch des Tashilunpo Klosters

Außerdem machten wir viele weitere Abstecher zu weiteren Klöstern und Pagoden. Wir haben schnaufend wie die Dampflocks unzählige, steile Treppen erklommen und verschiedenste Statuen und Gemälde von den unterschiedlichen Ausprägungen Buddhas betrachtet, unter anderem eine 28 m hohe Statue aus Kupfer und Gold des Buddha der Zukunft.

In den Klöstern fiel nicht nur mir Folgendes auf: Man muss für fast jeden Raum in den Klöstern eine Fotografiergebühr von 20 bis 75 Yuan bezahlen. Dies sind umgerechnet ca. 2,50 € bis ca. 12 € pro Raum und fotografierfreudigem Touristen. Diese Maßnahme wurde laut meinem Lonely Planet Reiseführer eingeführt, um den Diebstahl von Statuten auf der Grundlage von Fotos einzudämmen.

Ganz leuchtet mir das Argument nicht ein, wenn ich sehe, dass die Mönche in jedem Raum sitzen und die Touristen mit Argusaugen betrachten, um abzukassieren. Sie sitzen mit Geldbündeln in verschiedenen Ecken und wirken eher wie Geschäftsmänner.

Wenn man dann mal so in einem Kloster für 5 - 10 Räume jeweils 20 Yuan entrichtet hat und weiss, dass eine Flasche Wasser für Einheimische dort den Spottpreis von 1 Yuan kostet (für Touristen gerne 5 Yuan), fragt man sich schon, ob man sich nicht auch gleich statt als Buddha als Gans vergolden und im Tempel aufstellen lassen möchte. So verdient man wenigstens was, statt immer zu zahlen.

Ein Mönch beispielsweise saß in einer Nische und schlug gleichzeitig eine Trommel und eine Art Gong. Dazu sang er ein Mantra. Auch er forderte vehement 20 Euro, damit Manfred ihn kurz filmen konnte. Vielleicht sang er einfach rhytmisch auf tibetisch: "Oh, diese blöden Langnasen. Ich kann sie nicht mehr sehen. Oh, diese blöden Langnasen. Soll'n sie sich doch zum Teufel scher'n." Zutrauen würde ich es ihm. Denn definitv war er nicht in der Welt des Buddha oder der Menschlichkeit, sondern in der Welt des Animalischen oder des Hungers (=Geldgier).

 

01.06.2010

Wieder in Lhasa

Nun ist der 12. Tag unserer Reise fast vorbei und ich melde mich wieder zurück. Wir sind in den letzten Tagen durch Tibet getourt und haben ein gewaltiges Programm absolviert. Heute sind wir nach einer 6-stündigen Busfahrt durch die Gebirge wieder nach Lhasa zurückgekehrt.

Allein diese Rückfahrt war spannend. Man fährt durch endlose, kurvige Straßen. Links ragt die Steilwand auf, von der jederzeit Steinschlag erfolgen kann und rechts sind kleine Leitplanken, Betonklötze, oder gar keine Befestigung. Nichts davon würde den Bus davon abhalten, in den Abgrund zu stürzen. Immer wieder muss unser ausgezeichneter Fahrer Gesteinsbrocken, Ziegen, Kühe oder Schafe umfahren, die sich auf der Straße tummeln oder auch hupen, wenn Pilger sich zu nahe an der Fahrbahn bewegen.

Inzwischen geht es allen von uns wieder mehr oder weniger gut. Doch die Höhenkrankheit hat ihren Tribut gefordert. Einige litten unter Schlaflosigkeit, fast die Hälfte hatte wegen der Druckveränderung tagelang Nasenbluten (einer von uns sogar sehr heftig). Alle sind wir bis heute kurzatmig und leiden unter Atemnot. Manche können nicht schlafen und haben Kopfweh.

Ich selbst hatte tagelang Nasenbluten, weil die kleinen Äderchen in der Nase wegen der Druckveränderung platzen. Außerdem war ich kurzatmig und habe bis heute schwere Beine. Das Klima hier ist rauh - sengende Sonne, starke Winde und kalte Nächte. Überall liegt ein feiner Staub in der Luft, der sich an den hohen Gebirgen als Sanddünen niederläßt. Daher laufen viele Einheimische mit Tüchern auf dem Kopf und vor dem Mund herum. Oft läßt sich Tibet mit dem wilden Westen vergleichen.

Wenn man über Land fährt, sieht man immer wieder, dass die tibetische Bevölkerung noch stark mit der Erde verbunden ist. Die Menschen leben in kleinen Siedlungen und leben mit ihrem Vieh (Schafe, Yaks, Kühe, Kaschmirziegen, Schweine, Hühner, Pferde und Esel) zusammen.

Die Yaks werden selten geschlachtet, vielleicht ein Yak pro Jahr. Davon kann man dann eine Weile leben. Die Tibeter geben ihren Yaks Namen und behandeln sie fast wie ihre Kinder. Aus ihrem Fell weben sie an Handwebstühlen Stoffe als Sitzunterlage für ihre Bänke. Ansonsten leben sie von der Yak-Butter, die sie verkaufen, vom Gerste- und Weizenanbau, vom Verkauf des Gerstenbieres und die jüngeren Leute vom Land arbeiten meist in den Städten auf Baustellen.

Als körperlich einfach möchte ich das Leben hier nicht bezeichnen, dennoch sind die Menschen hier sehr nett und freundlich.

29.05.2010

Potala Palast

Es ist nun der 7. Tag unserer Reise.

Gleich um 8 Uhr morgens geht es los zum Potala-Palast. Wir Westler werden von den kleinen, zierlichen Tibetern genauso neugierig beäugt, wie sie von uns.

Der Pilgerstrom reißt nicht ab. Es ist einfach unglaublich, wie viele Menschen durch alle Straßen zum Palast und zum Jokhang-Tempel strömen. Und immer noch ist alles von einer so friedvollen Stimmung geprägt, dass Manfred und mich die vielen Menschen überhaupt nicht stören, so wie das in China der Fall war. Im Gegenteil. Auch andere in der Gruppe sind wie wir von dieser Stimmung überwältigt. Man denkt sich: "Dass es sowas noch geben kann. Diese Art von Bescheidenheit, Demut und Freundlichkeit." Und fragt sich: "Was ist mit uns passiert?"

Im Potala-Palast gehen uns vor der Schönheit, Farbenvielfalt und Pracht der Gebäude schier die Augen über. Der Palast wirkt wie aus dem Märchen, wie ein steingewordener Traum aus höheren Sphären, der sich auf dem Fels manifestiert hat.

Es würde zu weit führen, all die verschiedenen Daten, Lamas, Buddhas, Boddisatthvas usw. aufzuzählen. Daher nur ein ganz kurzer Überblick.

Die Tibeter praktizieren den Vajrayana-Buddhismus, der im 8. Jahrhundert aus Indien in Tibet eingeführt wurde. In der Hierarchie gibt es den höchsten Würdenträger, den Dalai Lama. Vor seinem Tod hinterläßt er einen Hinweis, wo er als neue Inkarnation zu finden sein wird. Im Grunde handelt es sich also immer um die gleiche Seele, die sich lediglich in neue Körper inkarniert. Der neu inkarnierte Dalai Lama wird erst 3 Jahre nach dem Tod des "alten" Dalai Lama gesucht, damit er dann wenigstens 3 Jahre alt ist. Denn dann muss er alles (seine Familie, sein Heim) aufgeben, ins Kloster gehen und sich ausschließlich den Studien widmen.

Der zweithöchste Würdenträger ist der Panchem Lama. Und dann gibt es noch den Lama der Reinkarnation.

Interessant sind auch die 3 Buddhas der VErgangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Der Buddha der Zukunft heißt Maytreya und soll in 3000, 5000, oder leider erst in 30.000 Jahren Frieden auf Erden bringen. Wie im Christentum werden dann alle Menschen glücklich, es gibt weder Armut, Krieg, noch Unglück.

Wie gesagt, das war ein winziger Überblick in den komplexen Kosmos des tibetischen Buddhismus. Damit schließe ich für heute und begebe mich ins (relativ harte) Hotelbett.

29.05.2010

Ankunft in Lhasa

Kurz vor der Ankunft in Lhasa merkt man, dass man allmählich wieder in die Zivilisation einkehrt. Leider auch daran, dass der Berg überall aufgerissen ist und verschiedenste Bodenschätze abgebaut werden.

Die Fahrt in der Tibetbahn ist definitiv ein Erlebnis, aber ich muss zugegeben, dass ich sie ungern nochmals unternehmen würde. Und wenn, dann mit ausreichend Tee und Kaffe und einem Abteil, dass ich nur für 2 Personen buchen würde. Zur Not würde ich den Preis für 4 Personen zahlen (786 Yuan (96 €) pro untere Liege und 863 Yuan (107 €) pro obere Liege in der 1. Klasse). Eine Fahrt von der gleichen Länge von 2000 km hätte im Indian Pacific in Australien ca. 650 Autralische Dollar (ca. 400 €) gekostet. Und eine weitere Nacht wäre definitiv der Knock-Out gewesen.

Endlich kommen wir also an und müssen um den gigantomanischen Bahnhof, der militärisch bewacht ist, unter sengender Sonne unser Gepäck noch ungefähr 1,5 km bis zum Bus tragen und ziehen. Das gibt mit neben der Erschöpfung und der Höhenluft noch den Rest.

Vom Bus aus sehen wir bald den Potala-Palast, den Winterpalast des Dalai Lama - dem höchsten Würdenträger des tibetischen Buddhismus. Der Palast erinnert an das sagenumwobenen Shangri-La, in dem Menschen abseits der Zivilisation ein glückliches Leben führen.

Uns fallen außerdem sofort eine hohe Miiltärpräsenz und Scharen von Menschen auf. Unser neuer Führer Jim ("Jim", weil niemand seinen endlos langen tibetischen Namen uassprechen kann) erkärt uns, dass wir zu einem guten Zeitpunkt gekommen sind und Glück hatten, überhaupt noch einen Einreiseerlaubnis zu erhalten. Denn jedes Jahr dürfen nur 200.000 Touristen in Tibet einreisen und nur 30% davon sind Westler.

Wir haben weiterhin Glück, weil am nächsten Tag Buddhas Geburtstag begangen wird. Und das erklärt wiederum das Militär und die Tausenden! von Pilgern, die in nicht endend wollenden Massen in die Stadt strömen. Allerdings ist alles - trotz der chinesischen Militärpräsenz - extrem friedlich und diszipliniert.

Plötzlich biegt der Bus in einen dunklen Hauseingang ein und fährt auf einen Hof - unser Hotel, das ich nie im Leben gefunden hätte.

Jeder von uns erhält einen weißen Schal als Willkommensgruß, Orangensaft und es wird mit Trommelbegelitung ein kurzer Schaukampf zwischen 2 Yaks aufgeführt - wie man das so aus China kennt. Einer ist vorne im Kopf und einer ist hinten.

Und dann - endlich endlich kommen wir in unser wunderschönes Zimmer mit einen schönen, langen Holzzuber als Badewanne und Möbel mit vergoldetem Schnitzwerk. Alles sehr geschmackvoll und jedes Teil des Zimmer kann man auch zu einem Spottpreis erwerben. Den riesigen Fernseher z.B. für glatte 325 €.

Wir können unser Glück kaum fassen, dass wir nun fast 3 Tage am gleichen Ort bleiben werden.

 

 

29.05.2010

Landschaft in Tibet

Das Gute an der Tibetbahn ist, dass man viele Stunden lang durch die verschiedensten Landschaften fährt und sich dabei allmählich an die zunehmende Höhe gewöhnt.

Wer schon einmal in den schottischen Highlands war, kann sich eine gute Vorstellung von der Landschaft machen. Sie ähnelt durchaus auch der Schweiz und manchmal auch einer extrem kargen Mondlandschaft.

Viele Landstriche scheinen menschenleer zu sein - man sieht nur riesige Gebirgsformationen, eiskalte Gebirgsseen und endlose Geröllfelder. Dennoch wird man durch die schiere GRöße und die gewaltigen Ausmaße der Seen und Gebirge überwältigt.

Hin und wieder tauchen auch Yak-Herden mit Hirten auf, die häufig - aber nicht immer - in der Nähe von Siedlungen weiden. Yaks sind die Rinder der Tibeter mit länglichem Schädel und viel Haar, um sich vor der Kälte im Winter zu schützen.

Dann gibt es noch Schafherden mit den Hirtenhunden - den größten Hunden weltweit, die über 100 Kilo wiegen und groß wie ein Kalb sind. Die Menschen leben wahrhaftig auf dem Land wie vor Hunderten von Jahren.

In dieser Wildnis leben auch Rehe, Hasen, wilde Esel, gefährliche Wildhunde, Füchse und Wölfe.

Wir sind alle fasziniert von der überwältigenden, majästetischen Schönheit dieser Landschaft und kleben immer wieder an den Fenstern, um Fotos zu schießen. Dies allerdings nur soweit der Sauerstoffmangel es uns erlaubt. Zwar strömt aus einigen kleinen Düsen in der Wand Sauerstoff, der etwas Abhilfe schafft, doch insgesamt wurde uns der Zug als viel moderner verkauft als er eigentlich ist.

Aber - wie gesagt - mir macht das nix aus. Ich finde alles sehr interessant, sage "Ni hao" (Guten Tag) zu den Chinesen während ich ein bißchen durch die Gänge gehe und luge dabei in deren Abteile. Da ist was los. Man hat sich professionell häuslich niedergelassen, läuft entspannt im Schlafanzug herum und hat natürlich losen grünen Tee in Hülle und Fülle dabei. Sobald ich mit meinem erbärmlichen Chinesisch ankomme sind sie sofort viel netter und lächeln und schäkern mit einem.

Einer der Höhepunkte der Bahnfahrt ist ein Stop auf rund 4600 m Höhe, wo wir für 5 Minuten kurz heraus dürfen. Herrlich.

Manfred und ich entfliehen der Enge des Abteils so oft wir können und nehmen alle Mahlzeiten im Speisewagen ein. Da ich aber auch immer schwächlicher werde, kann ich den Gargeruch, der aus der offenen Küche ins Restaurant zieht, nicht mehr ertragen und kehre ins A bteil zurück. Dort verbringe ich den Rest der Fahrt mehr oder weniger liegend auf der harten Pritsche.

28.05.2010

Tibetbahn - die Reise

Wir machen es uns im Abteil gemütlich. Auf dem Tischchen steht eine Vase mit 2 Plastikblumen und eine Thermoskanne mit heißem Wasser. In jedem Waggon gibt es einen Hahn, aus dem heißes Wasser kommt, mit dem man sich dann seinen Tee oder Kaffee zubereiten kann - wenn man welchen hätte.

Manfred und ich begeben uns ins Restaurant. Ich bestelle radebrechend auf chinesisch Wasser und wir versuchen herauszufinden, ob und wann es Abendessen gibt. Zufällig ist ein deutschsprechender Chinese mit einer anderen Reisegruppe da und informiert uns, dass wir stets einen Tisch beim Chef vorbestellen müssen. Ich will sofort wissen, wer der Chef ist und lasse den Reiseleiter einen Tisch für uns reservieren.

Wir sind ein bißchen frustriert, weil wir erwartet hätten, dass uns einer unserer Führer über das Prozedere informiert, da wir ja in einer Gruppe reisen. Alleine ist das eine andere Geschichte, da man dann ja ohnehin auf sich gestellt ist.

Na ja, zum Abendessen gesellt sich unser Globetrotter, der ganz gut chinesisch kann. Wir freunden uns immer mehr mit dem Personal an, so dass die komplett gestresste Kellnerin uns sogar endlich mit Tee beehrt, den sie vorher verweigert hat. GEstresst ist sie, weil die Chinesen untereinander sich wirklich wie den letzten Dreck behandeln und herumkommandieren wie Hunde. Wir waren regelrecht sanftmütig dagegen. Kein Wunder also, dass das Personal so nett war. Der Chef hat Manfred sogar einen Packen Wolfsbeeren geschenkt - einfach so. Denn chinesisch verhandelt haben ja meist der Globetrotter und ich.

Wenn aber Schluß ist, ist Schluß. Spätestens um 21 Uhr wird man freundlich, aber bestimmt aus dem Restaurant geworfen und auch nach dem vorbestellten Frühstück am nächsten Tag war um 9 Uhr Schicht im Schacht.

À propos Frühstück. Die geschmacklose Reissuppe ist gut für die Magenschleimhaut. Deshalb habe ich sie gegessen. Die kleine Dampfnudel, weil sie unverfänglich war und noch immer eine bessere Alternative als das kalte, fettriefende Spiegelei oder das kalte Weißbrot mit überbackenem Käse. Das hört sich jetzt vielleicht etwas nörgelig an, ist aber gar nicht so gemeint. Ich fand das alles interessant, denn es ist nun einmal eine andere Kultur und solange ich irgendetwas essen kann, ist das schon in Ordnung.

Da ich nun schon beim Frühstück bin, stellt sich die Frage nach der Nachtruhe. Wie meine 3 Mitschläfer sagten, hätten ich wie ein Baby geschlafen, was wohl stimmt. Denn ich habe nichts von dem rabiaten Geschnarche der beiden Männer gehört.

Kein Wunder. Ich war FERTIG. Die Höhenveränderung hatte mir immer stärker zugesetzt. Meine Beine, die ohnehin schon die ganze Zeit schwer waren, wurden noch schwerer und dann trat wegen Sauerstofmangels massive Kurzatmigkeit und Kopfweh ein. Also gab mir der mitreisende Arzt ein entwässerndes Mittel und ich soff immer weiter Wasser wie ein Kamel, um dann die schöne Hocktoilette zu besuchen, deren Zustand sich zusehends verschlechterte. Was mit der Westtoilette war? Die war ständig besetzt und ihr Zustand auch nicht viel besser. Streng genommen ist die Hocktoilette sogar hygienischer - vorausgesetzt man zieht feste Schuhe an  und rollt die Hosenbeine hoch, um nicht mit stehendem "Wasser" in Berührung zu kommen.

Also - das Wassertrinken hilft wirklich, weil sich auf Grund der Höhenveränderung mehr Bicarbonat in den Nieren bildet, das Kopfweh verursacht und ausgeschwemmt werden muss. Es haben sich dann zwischen den Männern Wettkämpfe entwickelt, wer am häufigsten das Örtchen aufsuchen musste.

Soviel zu den Aktvitäten im Zug. Wie sah aber die Landschaft aus?

P.S Manfred greift ein und meint, dass man nicht nur wegen des vielen Trinkens häufiger "muß", sondern auch gerade wegen der zunehmenden Höhe.

28.05.2010

Tibetbahn - die Abfahrt

Eines gleich vorweg: Die Tibetbahn ist ein Erlebnis in JEDER Hinsicht. Es beginnt schon am Bahnhof, wo man die tibetischen Menschen überall herumstehen sieht. Sie sind klein, mit dunkler Haut und schwarzem Haar. Fast vergleichbar mit südamerikanischen Ureinwohnern. Die Frauen haben zwei endlos lang geflochtene Zöpfe, in die sie Fäden einflechten und dann beide Zöpfe am Ende zu einem Zopf zusammenfassen. Der Zopf wirkt aber noch länger, weil am Zopfende viele lange verzwirbelte Fäden baumeln.

Als Tracht tragen viele ein türkisfarbenes Tuch auf dem Kopf und auch die Männer haben einen geflochtenen Zopf, den sie um den Kopf winden. Sie sind alle sehr freundlich und lächeln sofort zurück. Nur fotografieren lassen sie sich nicht so gerne.

Der Amtsschimmel wiehert auch hier am Bahnhof sehr laut. Unser Reiseleiter darf nicht einmal in den Bahnhof hinein. Wir müssen eine Passkontrolle passieren und werden dann in einen Wartesaal geleitet, der extra für uns geöffnet wird. Dort warten wir erst mal, und warten, und warten...

Endlich trifft der Zug ein. Uns wird gesagt, unsere Koffer würden uns gebracht und dann in einem separaten Gepäckwagen untergebracht. Irgendwie glaubt keiner von uns so recht, dass 4 kleine Tibeterinnen (eine davon ein altes Mütterchen)  unsere rund 25 Koffer so schnell über mehrere Treppenaufgänge transportieren können. Und so nehmen fast alle ihre Koffer mit. Und das war richtig so, denn der Zug will bereits abfahren, einer unserer Mitreisenden (ein waschechter Globetrotter) weist die Schaffner darauf hin, dass noch Koffer fehlen und da kommen die 4 Tibeter mit den einzigen 4 Koffern, die noch fehlten - unter anderem MEIN Koffer und Manfreds Koffer - gerannt. Was soll's. Wir nahmen's mit Humor.

Hinein in den Zug in das 1. Klasse Abteil. Es ist nur ein ganz kleines bißchen eng, insbesondere, wenn man bedenkt, dass es doch keinen Gepäckwagen gibt und es nun gilt, 4 Koffer unterzubringen. Wir sind also zu viert. Auf jeder Seite sind zwei Liegen - eine oben und eine unten. Wir schauen uns um und fragen uns angesichts der Enge und der brettharten Liegen, ob das wirklich die 1. Klasse ist. Es ist aber so. Denn die 2. Klasse hat auf jeder Seite 3 Liegen übereinander und in der Holzklasse müssen die Leute die ganze 24-stündige Reise lang in normalen Sitzen verbringen.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass die ununterbrochenen Aktivitäten seit Tag 1, der Schlafmangel, die Enge und die Höhenluft mit stetig abnehmender Sauerstoffmenge uns bis an die Grenze unserer Belastbarkeit bringen.

Ganz zu schweigen von den lieblichen Hocktoiletten und - glücklicherweise - eine westliche Toilette. Wer frühzeitig kein Toilettenpapier gekauft hat, den bestraft jetzt hier das Leben.

28.05.2010

Xining

Mittlerweile befinden wir uns am 5. Tag unserer Reise. Wieder heißt es früh aufstehen, um um 5 Uhr morgens mit dem Bus zum Flughafen zu fahren. Dort fliegen wir 2,5 Stunden nach Xining, wo uns schon der Reiseleiter erwartet.

Der Führer gibt uns eine kurze Einführung in das Stadtleben. Es gibt unterschiedliche Religionen hier, u.a. Buddhisten, Moslems und Gläubige der Urreligion Doisan, die sich mit Yin/Yang, Chi, Akkupunktur etc. befasst.

Wir sehen auch schon die Gebetsfahnen überall flattern, damit der Wind die Gebete davon trägt, weil die Bauern auf Grund ihrer harten Arbeit früher überhaupt keine Zeit hatten zum beten. Also ließen sie den Wind das erledigen.

Direkt vom Bahnhof fahren wir wieder unter den wachsamen Augen des Führer im Bus zum Museum von Xining. Dargestellt wird die Entwicklung des Volkes in der Steinzeit und deren Werkzeuge sowie wunderschöne, handgewebte Teppiche und Buddha-Darstellungen aus Stoff, als Gemälde oder Statue.

Danach sind wir alle fix und fertig und betteln förmlich darin, im Museum Tee zu trinken. Nach einer halben Stunde Pause geht es weiter in ein echt chinesisches Kaufhaus mit mehreren Stockwerken. Man darf nur in eine Richtung hineingehen und muss zu einem anderen Ausgang hinaus. Immer wieder sieht man Aufpasser und fotografieren ist auch streng verboten, wobei dies bei uns ja auch oft der Fall ist.

Wir decken uns ein mit Schokolade, weil diese gegen die Höhenkrankheit helfen soll. Außerdem gönne ich mir ein paar getrocknete Seealgencracker und Manfred kauft versehentlich Pringles Chips mit Seealgengeschmack, die eine herrlich grüne Farbe haben.

Das Kaufhaus ist ein Erlebnis, aber ein Stadtbummel alleine ist ausgeschlossen, da wir schon zum Mittagessen müssen und dann weiter zum Bahnhof, um die Tibetbahn um 17 Uhr zu nehmen.

Wir sind alle immer noch fertig und von der Höhenluft (immerhin sind wir schon 3200 m über dem Meeresspiegel) auch leicht benebelt. Mir ist so übel, dass ich gleich eine Reisetablette esse und unendlich viel Wasser trinke.

27.05.2010

Sommerpalast

Nach der großen Hitze der letzen Tage waren wir froh, nun beim kühlen Sommerpalast anzukommen, den einer der chinesischen Kaiser eigens für seine Mutter Zsi Zsi errichten ließ. Wie früher in Europa lebten auch in China die Frauen am Hof in einem goldenen Käfig. Um also seiner Mutter ein GEfühl von Freiheit zu geben, errichtete der Sohn auf riesigem GElände diesen wunderschönen Palast. Sogar Geschäfte wurden speziell für die Kaiserin aufgestellt, damit sie Shopping gehen konnte.

Der Sommerpalast ist - wie erwähnt- wirklich sehr schön und weiblich. Wieder geht es zahlloses Stufen nach oben, durch Parks, prachtvolle Gebäude mit Ornamenten und Verzierungen, bis man schließlich bei den Wandelgängen ankommt. Es handelt sich hier um einen langen Gang mit Holzsäulen rechts und links und Gemälden, die überall angebracht sind und Szenen aus der chinesichen Geschichte und weitere Darstellunge zeigen. Mit 7 km ist dies der längste Wandelgang überhaupt, in dem die Kaiserin durch den Park lustwandeln konnte.

Die schönen Gemälde werden alle paar Jahre von Kunsstudenten wieder neu aufgefrischt.

Überall sind immer wieder schöne angelegte Ecken zu sehen, wo das Chi fließt. Die Mauern haben Fenster in unterschiedlichen geometrischen Formen, damit das Chi freie Bahn hat. Alles ist sehr harmonisch.

Nach diesem schönen Ausflug gab es zum Abschluß unseres Aufenthalts in Peking nochmals ein feines Abendessen. Wir hatten uns für die Peking-Ente entschieden.

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